Pfarrer Franz Scholz

Der 24jährige Theologe Pfarrer Franz Scholz wurde 1934 Priester und Pfarrer der Kirchengemeinde St. Bonifatius in Görlitz, genauer gesagt in dem Teil Görlitz‘, der auf der östlichen Seite der Neiße liegt; dem Fluss, der bis 1945 nur durch die Stadt floss und keine Grenze war.

Während des Zweiten Weltkrieges war Ost-Görlitz das Kasernen- und Lagerviertel der Stadt, weshalb hier anfangs viele polnische Kriegsgefangene, ab 1940 auch Kriegsgefangene aus Frankreich und Belgien gefangen gehalten wurden. Pfarrer Scholz übernahm neben der Zivilseelsorge seiner Kirchengemeinde auch die Seelsorge der Kriegsgefangenen, der er sowohl des Französischen als auch des Polnischen mächtig war.

Anfang des Jahres 1945 war die russische Armee nicht mehr weit von Ost-Görlitz entfernt. Deutsche Soldaten sammelten sich in der Stadthälfte, um die Russen an der Eroberung der Stadthälfte und am Überschreiten der Neiße zu hindern. Pfarrer Scholz bekam eine weitere seelsorgerische Aufgabe: Er wurde gerufen, um Deserteuren, fahnenflüchtigen Soldaten, die letzte Beichte abzunehmen, bevor sie erschossen wurden.

Quelle: Scholz, Franz: Wächter, wie tief die Nacht? Görlitzer Tagebuch 1945/46. Eltville 1986 (3. Auflage).

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